
Zu arm, um zu gehen: Das leere Nest als existentielle Sackgasse
Die Kinder sind aus dem Haus, die Jahre zerronnen und doch ist da kein Aufatmen. Ganz im Gegenteil: Eine ohrenbetäubende Stille schleicht durch die verlassenen Zimmer.
Ich schreibe Upmarket Fiction und erzähle über eigensinnige Frauen und Männer, die aus der Reihe tanzen. Es sind Emanzipationsgeschichten, die dort beginnen, wo gesellschaftliche Erwartungen mit den Sehnsüchten meiner Figuren kollidieren.
In den Glarner Bergen geboren, führte mich mein Weg über Umwege von der Lehre in der Textilfärberei zum Literaturstudium. Heute lebe ich in Leipzig und schreibe über das, was ich am besten kenne: das echte Leben mit all seinen Brüchen. Immer mit dabei: eine kräftige Prise weißer und schwarzer Humor.
Ich schreibe über das Suchen, Finden und Behaupten des eigenen Platzes in der Welt – Literatur über die Arbeit am eigenen Schicksal.
Brida Schulz
Das Diktat der Umstände
In den Schweizer Bergen bin ich geboren und aufgewachsen. Im tiefsten Glarnerland, wo die Textilindustrie damals noch das Dorf ernährte. Als ältestes Kind einer Weberin und eines Schlachters merkte ich früh: Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren.
Mein beruflicher Werdegang war vorgezeichnet. Er führte direkt in die Fabrik, in der meine Mutter am Webstuhl stand. Als damals erstes Mädchen in der Männerdomäne der Färber begann ich meine Lehre als Textilveredlerin. In der Färberei stiegen die Temperaturen an heißen Sommertagen auf über 45 Grad. Die Farbeimer waren schwer, der Farbstaub klebte an Haut und Haaren, setzte sich in den Nebenhöhlen fest. Die Chemiedämpfe krochen in die Lunge. Die wackeren Färber erzählten mir derbe Männerwitze – kein angenehmer Ort für eine sensible Sechzehnjährige. Aber ich habe mich durchgeschlagen.
Von der Fabrik in die Welt
Nach der Lehre suchte ich mir andere Brotjobs. Egal was, Hauptsache weg da. Ich habe gekellnert, geputzt, gelernt und immer wieder von vorn angefangen. Über ein Praktikum in der Pharmabranche und den zweiten Bildungsweg fasste ich schließlich als Direktmarketingfachwirtin Fuß.
2007 folgte ich meinem deutschen Mann ins Münchner Umland. Ich absolvierte einen NLP-Master sowie am Goethe-Institut den Lehrgang für Methodik und Didaktik und machte mich als Deutschcoach selbstständig. Später folgte, sicher auch aus Rebellion zu meinem archaischen Elternhaus, die Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin. Ich bin das, was man eine Scannerin nennt: Mein Wissensdurst ist groß, meine Interessen sind breit gefächert. Was früher wie ein riesiger Umweg aussah, ist heute mein Fundament.
Sprache als Heimat
Durch all diese Jahre hat mich die Liebe zur Literatur begleitet. Sie war die Konstante in jedem Neuanfang. Als vorläufige Krönung meines Werdegangs studierte ich schließlich Kultur- und Literaturwissenschaften. Meine Bachelorarbeit – eine Diskursanalyse von Michael Kleebergs Karlmann-Trilogie – wurde mit der Note eins bewertet.
Heute lebe ich in Leipzig, der Buchstadt par excellence. Es ist die perfekte Kulisse für mein aktuelles Schaffen: Ich schreibe Upmarket Fiction, anspruchsvolle, zeitgenössische Emanzipationsgeschichten. „Vom Auftrennen der Stille“ ist mein Spätdebüt. Ihm werden noch weitere Romane folgen. Parallel dazu setze ich mein Masterstudium fort – ein Wissen, das auch in mein Feuilleton fließt.

Die Kinder sind aus dem Haus, die Jahre zerronnen und doch ist da kein Aufatmen. Ganz im Gegenteil: Eine ohrenbetäubende Stille schleicht durch die verlassenen Zimmer.

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